Arbeitslos

Arbeitslos – wie gehe ich damit um?
Was der Jobverlust auslösen kann

Aus dem Hamsterrad gestoßen

Die Sonne strahlt und es ist herrlich hell und warm an diesem Frühlingstagnachmittag. Brigitte, 52, kommt mit angespanntem Gesicht und schweren Schritten sie zu mir in die Praxis. Sie ist schlank, relativ groß, trägt schwarze Jeans, Schlabberpullover und einen dicken Schal um den Hals. Es wirkt, als hätte sie mit ihrer Kleidung bewusst einen Schutzwall um sich herum aufgebaut. Das schöne Wetter nimmt sie nicht wahr. Zu schwer lastet die Kündigung und die ungewollte Arbeitslosigkeit auf ihren Schultern.

Entlassung – So schnell kann es gehen…

Brigitte sucht bei mir Unterstützung. Sie war über 25 Jahre in einem internationalen Konzern in leitender Position beschäftigt. Von heute auf morgen wurde sie – ohne dass sie ein „Verschulden“ ihrerseits erkennen kann – im wahrsten Sinne des Wortes, vor die Türe gesetzt.
Innerhalb eines halben Tages läuft ein Albtraum für sie ab: Sie glaubt noch, zu einer üblichen Besprechung zu ihrem Vorgesetzten zu gehen. Der Personalchef ist überraschenderweise anwesend. Vorwürfe werden an sie adressiert, Versagen geäußert. Brigitte wird aufgefordert, ihr Büro zu räumen, den Dienstwagen, Schlüssel und sonstiges Eigentum des Unternehmens abzugeben. Ein Taxi wird für sie noch organisiert, um nach Hause zu kommen. Von den Kollegen verabschieden kann sie sich so gut wie nicht. Blankes Entsetzen und Unverständnis spiegelt sich in den Gesichtern ihres Umfeldes, als sie ihren Schreibtisch räumt. Sie wird zur Pforte begleitet. Sie ist freigestellt. Tür zu – Ende aus.

Kündigung und Arbeitslosigkeit zermürben

Von diesem Schock hat Brigitte sich nicht erholt, obwohl schon ein paar Monate ins Land gezogen sind. Zu tief sitzen die Verletzungen und Erinnerungen an die Geschehnisse. Sie steckt fest, kämpft mit Gedanken, Gefühlen und Emotionen. Diese reichen von: Ich bin nicht gut genug! Immer muss ich in dieser Männerwelt doppelt so viel leisten, bis hin zu Scham – einfach so „hinausgeschmissen“ zu werden. Sie fühlt sich ihren Mitarbeitenden gegenüber schuldig, die sie jetzt nicht mehr vor anstehenden Veränderungen bewahren kann.
Privat trifft sie kaum noch Menschen: Immer wieder über diese Ereignisse sprechen müssen, das erträgt sie nicht mehr. Sie verkriecht sich zu Hause, wird immer schwermütiger. Ihr Selbstvertrauen ist zerstört. Ihr Mann ist mit der Situation überfordert. „Du nimmst Dir das viel zu sehr zu Herzen. Such Dir einfach einen anderen Job. Das ist mit Deinen Fähigkeiten doch kein Problem!“ empfiehlt er. Brigitte fühlt sich unverstanden, hat Angst vor der Zukunft.

Wie soll es weitergehen?

In der Beratung möchte Brigitte herausfinden, wie es für sie beruflich weitergehen kann und soll. Es war in diesem Fall eine – gewünscht – längerfristige Begleitung über drei Monate hinweg, in denen wir uns regelmäßig trafen.
Ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen ist sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sicher. Sie hat keine Zukunftsperspektive und Angst davor, sich zu bewerben. Sie fühlt sich mit über 50 Jahren zu alt für den Arbeitsmarkt und rechnet sich keine Chancen aus.

Was Beratung ausmacht

In der Zusammenarbeit fasst Brigitte Vertrauen und kann sich mehr und mehr öffnen. Sie spricht über die Dinge, die sie beschäftigen. Emotional und auch immer wieder unter Tränen – die sein dürfen. Scham, Wut und Trauer wechseln sich ab. Wut auf die Vorgesetzten und die Art der Behandlung.
Sie trauert der vermeintlich sicheren Position und den privaten Freundschaften aus der Firma nach, bei denen sie sich aus Scham und Schuldgefühlen nicht meldet. Sie ist fassungslos, dass ihre Erfolge und ihr hoher Einsatz für das Unternehmen plötzlich nichts mehr wert sind. Sie fühlt sich unverstanden und nicht gesehen. Sie spricht von Heuchelei der Vorgesetzten. Es kristallisiert sich Mobbing heraus.

Der Perspektivenwechsel/die Wende

Und dann wendet sich das Blatt: Brigitte wird klar, dass sie die letzten zwei Jahre eigentlich schon keine Freude mehr an ihrer Tätigkeit hatte. Sie stand nicht mehr hinter den neuen Zielen des Konzerns. Ihren Mitarbeitern gegenüber musste sie Veränderungen durchsetzen, von denen sie nicht überzeugt war. Sie hatte körperliche Beschwerden, ohne dass sie diese bislang mit ihrem Berufsleben in Verbindung gebracht hat. Heute ist ihr klar, dass ihr Körper schon länger ein klares „Stopp!“ signalisiert hat.
Und dann kam der entscheidende Satz von ihr, bei dem ich Gänsehaut bekam: „Ich bin so froh, dass ich die alle los bin“. Sie konnte die Kündigung jetzt als Chance begreifen, ihr Leben nochmals neu auszurichten. Diese Chance nahm sie wahr!

Die Krise als Chance erkennen und nutzen

Durch das Coaching konnte Brigitte wieder eigene Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und Perspektiven entwickeln.
Brigitte ist sich ihrer Stärken und Ressourcen wieder bewusst. Sie erkennt ihre Bedürfnisse und steht dafür ein. Durch Perspektivenwechsel erkannte sie die Anteile aller Beteiligten am Kündigungsprozess. Sie fühlt sich dadurch nicht mehr schuldig. Ihren ersten Wunsch, nichts mehr von ihrem alten Arbeitgeber hören und sehen zu wollen, hat sie spezifiziert: Wichtig sind ihr bestimmte Kollegen, zu denen sie Kontakt aufnimmt und auf großen Zuspruch stößt. Sie gibt auch nicht kampflos auf, sondern setzt ihre Rechte auf ein gutes Zeugnis und eine angemessene Abfindung gegenüber dem Unternehmen durch.

Der Weg aus der Arbeitslosigkeit

Brigitte hat genug vom „alten Hamsterrad“ und wünschte sich eine Tätigkeit, die ihr mehr entspricht: Gerne möchte sie mit Jugendlichen und jungen Menschen zu tun haben.
Brigitte konnte alles umsetzen. Nach etwa vier Monaten fand sie ihren neuen Arbeitsplatz: Heute unterrichtet sie Jugendliche im Bereich Finanzen. Hier kann sie eine gute Verbindung zu ihrem beruflichen Hintergrund knüpfen.

Ziele und Visionen sind wichtig!

Um diese entwickeln zu können, braucht es die Außensicht und den Perspektivenwechsel durch eine neutrale Person. Das Alte, Ehemalige darf gesehen, gewürdigt und verabschiedet werden. Hierdurch kann Neues, versteckte Wünsche und Neigungen erkannt und selbstbestimmt verfolgt werden. Solche Überlegungen sind besonders wichtig, wenn die 40 überschritten, die Kinder aus dem Haus oder der Job zur leidigen Pflicht wird. Oder, wenn wie im Fall von Brigitte, ein unsanfter Stoß von außen erfolgt, der Veränderungen notwendig macht.

Der erste Schritt …

ist der Schwerste, aber auch der Wichtigste: das Erkennen, dass man selbst nicht weiterkommt oder auch nicht weiter weiss. Unterstützung suchen und professionellen Rat einzuholen ist weder ein Zeichen von Schwäche, noch das Eingestehen eines Scheiterns. Es bedeutet vielmehr ein gewisses Maß ein Eigenreflektion und gesunder Selbsteinschätzung. Rufen Sie unverbindlich an oder schreiben Sie mir. Je schneller Sie Altes Loslassen, desto eher haben Sie zwei Hände frei!

Heike E. Burkard
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